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FSSC 22000 Zertifizierung & Anforderungen an das FSSC Zertifikat

Mit einer FSSC 22000 Zertifizierung haben Sie eine Alternative zu den Standards IFS und BRC, um Ihr Managementsystem im Lebensmittelunternehmen zu zertifizieren. Dabei entsprechen Sie den Kundenforderungen nach einem GFSI anerkannten Zertifikat. GFSI (Global Food Safety Initiative) ist eine weltweit agierende Organisation. Ein Trend ging bis 2017 dahin, dass Betriebe überlegten, statt der Zertifizierung nach IFS/BRC die vermeintlich einfachere Verfahren der FSSC 22000 Zertifizierung anzustreben. Doch ist dieses Zertifikat tatsächlich leichter zu erlangen? Spätestens seit der Veröffentlichung der FSSC Version 4.1 ist dieser Aspekt sicher noch einmal zu überdenken.

Zudem handelt es sich beim FSSC (Food Safety System Certification) nicht um eine Norm, sondern um einen privatrechtlich herausgegebenen Lebensmittelstandard. Dessen Eigner ist die in den Niederlanden ansässige Foundation for Food Safety Certification. Stakeholder sind Vertreter großer Unternehmen, wie zum Beispiel Coca Cola, Nestlé, Danone sowie Metro, aber auch Verbände und Interessenvertretungen, z.B. von Akkreditierungsstellen, Zertifizierern oder auch der Confederation of the Food and Drink Industries der EU. Ziele der Foundation for Food Safety, die sich wiederum auf das Zertifizierungssystem auswirken, sind:

  • Förderung der Anwendung von Lebensmittelsicherheits-Systemen und Qualitätsmanagementsystemen entlang der gesamten Lieferkette
  • Entwicklung, Entwurf, Verwaltung und Änderung von Zertifizierungs- und Inspektionssystemen für Lebensmittelsicherheit
  • Förderung der nationalen und internationalen Anerkennung und allgemeinen Akzeptanz von Systemen
  • Durchführung von Informationskampagnen, Bereitstellung von Informationen
  • Bereitstellung von Unterstützungsdiensten für die Zertifizierung von Lebensmittelsicherheitssystemen

In diesem Rahmen ist der FSSC 22000 als ein zertifizierfähiger Standard entwickelt worden, der − anders als die ISO 22000 – durch die GFSI weltweit anerkannt ist und damit auf gleicher Ebene steht wie der IFS Food Standard und BRC Standard. Nachfolgend erläutern wir Ihnen die Anforderungen an das FSSC Zertifikat und nach welchen Kriterien eine Bewertung im Zertifizierungsaudit stattfindet.


Präsenzschulung

Unser Tipp

Präsenzschulung: In der Ausbildung FSSC 22000 lernen Sie die Anforderungen des Standards kennen und können die Lebensmittelsicherheit durch Präventivprogramme erhöhen.


Welche Anforderungen werden gestellt und kann ich auf eine FSSC 22000 Zertifizierung umsteigen?

Der FSSC 22000 ist genau genommen gar kein Lebensmittelstandard sondern setzt sich aus unterschiedlichen Anforderungen zusammen. Er besteht dabei aus drei verschiedenen Teilen, den Anforderungen FSSC, der ISO/TS 22002-1 (PRPs) und der ISO 22000. Der FSSC 22000 basiert auf der Norm ISO 22000. Alle Anforderungen dieser Norm müssen umgesetzt werden. Darüber hinaus müssen die Anforderungen einer ISO/TS 22002-x (Technical Specification) verwirklicht und nachgewiesen werden, um ein Zertifikat zu erhalten. Für unterschiedliche Branchen sind verschiedene technische Spezifikationen anzuwenden. Zum Beispiel muss für alle Arten der Herstellung von Lebensmitteln die ISO/TS 22002-1 umgesetzt werden, für die Herstellung von Verpackungsmaterial die ISO/TS 22002-4.

Darüber hinaus ist es auch möglich ein FSSC Zertifikat in Verbindung mit der ISO 9001 zu erhalten. Dann muss die Umsetzung dieser Norm zusätzlich zu den drei anderen Anforderungskatalogen nachgewiesen werden. Dies ist im Rahmen der High Level Structure, der alle Normen der ISO (International Organization for Standardization) unterworfen werden, kein schwieriges Unterfangen, da viele Anforderungen der ISO 9001 und der ISO 22000 gleich sind. Auf dem Zertifikat ist dann „FSSC-Quality“ angegeben. Viele Unternehmen wissen noch nicht, dass auch der FSSC in seinen Vorgaben die sogenannten „additional requirements“, also Zusatzanforderungen, verankert hat. Auch diese müssen in einem Zertifizierungsaudit nachweisbar angewendet worden sein.

Können Sie einfach auf eine Zertifizierung nach dem FSSC 22000 Standard umsteigen? Grundsätzlich ja! Wenn Sie bereits eine Zertifizierung nach einem anderen Standard haben, schauen Sie sich erst einmal den Vertrag mit Ihrer bestehenden Zertifizierungsstelle an. Dieser hat möglicherweise eine festgelegte Geltungsdauer. Sollten Sie aber den Zertifizierer nicht wechseln, wird der Zertifizierer sicher Wege aufzeigen, wie ein Wechsel möglich ist.

FSSC 22000 Zertifizierung - Regeln für unangekündigte Audits

Wie alle anderen GFSI-anerkannten Standards sind im FSSC 22000 seit der Version 4.1 unangekündigte Audits vorgesehen. Dies sind die Regeln dafür:

  • Angekündigt: Zertifizierungsaudit und Rezertifizierung nach 3 Jahren
  • Eines der 2 Überwachungsaudits ist unangekündigt
  • Das unangekündigte Überwachungsaudit ist ein volles Audit (50% der Zeit in der Produktion)
  • Der auditierte Betrieb wird im Vorfeld nicht benachrichtigt
  • Die Zertifizierungsstelle entscheidet, welches der Audits unangekündigt ist und wann dieses stattfindet
  • Das Audit soll während normaler Produktionszeiten durchgeführt werden, auch in der Nachtschicht
  • Sperrzeiten müssen mit der Zertifizierungsstelle abgestimmt sein
  • Bei Ablehnung des Überwachungsaudits erfolgt der Entzug des FSSC Zertifikats
  • Überwachungsaudits sollten jährlich stattfinden

Theoretisch kann ein unangekündigtes Audit im Zeitrahmen von neun Monaten stattfinden (drei Monate nach dem Zertifizierungsaudit hat das Unternehmen Zeit für Korrekturmaßnahmen, in den neun darauffolgenden Monaten ist die Prüfung möglich). Eine FSSC 22000 Zertifizierung ist durch die zugrunde liegende Akkreditierungsnorm DIN EN ISO/IEC 17021 drei Jahre gültig. In vollständigen Überwachungsaudits muss das Zertifikat aber jährlich bestätigt werden. Die Regelung, dass die Überwachungs- kürzer sind als die Rezertifizierungsaudits, ist außer Kraft gesetzt. Grundsätzlich darf ein Auditor maximal zwei Dreijahres-Zyklen, also 6 Jahre, hintereinander einen Standort auditieren. Gemäß den FSSC Forderungen muss es danach zwangsweise einen Wechsel der Auditoren geben.

Zertifizierung FSSC 22000

Wie lange dauert ein FSSC Audit?

Die Dauer eines Zertifizierungs- und Überwachungsaudits richtet sich zunächst nach den Anforderungen der ISO 22000. Die zertifizierenden Stellen haben dazu konkrete Vorgaben, die sich zusammensetzen aus:

  • den Anforderungen der relevanten Norm für Managementsysteme;
  • Größe sowie Komplexität;
  • technologischen Grundlagen;
  • jeder Ausgliederung von Aktivitäten, die der Anwendungsbereich des Managementsystems beinhaltet;
  • den Ergebnissen vorheriger Audits;
  • Anzahl der Standorte sowie Erwägungen zu Mehrfach-Standorten;
  • den mit den Produkten, Prozessen oder Tätigkeiten der Organisation verbundenen Risiken;
  • ob es sich um kombinierte, gemeinschaftliche oder integrierte Audits handelt.

Zusätzlich werden dann noch Zeiten addiert, die sich aus dem FSSC 22000 ergeben:

Zusätzliche Zeit FSSC 22000:

  • 0,5 Auditor-Tage bei weniger als 250 Mitarbeitern und weniger als 3 HACCP-Studien
  • 1,0 Auditor-Tage bei 250 oder mehr Mitarbeitern oder 3 oder mehr HACCP-Studien

Zusätzliche Zeit für die Vorbereitung:

  • Mindestens 0,25 Auditor-Tage für die Vorbereitung des Auditors
  • Mindestens 0,5 Auditor-Tage für den Auditbericht.

Ein Auditortag wird dabei grundsätzlich mit 8 Stunden (Pausen zählen zusätzlich) gerechnet.

Das Bewertungsschema für Ihre FSSC 22000 Zertifizierung

Nachdem das „alte“ Bewertungsschema nur kritische und unkritische Abweichungen vorsah, haben sich die Vorgaben für die Bewertung verschärft. Die Abweichungen / Nichtkonformitäten werden nun unterschieden zwischen Minor (geringfügig), Major (erheblich) und Critical (kritisch). Es sind keine Verbesserungspotenziale mehr vorgesehen. Das heißt, wenn der Auditor früher kleinere Feststellungen evtl. als Verbesserungspotenzial definiert hat, wird er nun eine geringfügige Abweichung formulieren. Die Bewertungen sind nicht zu vergleichen mit denen des IFS, insbesondere der „Major“ hat eine andere Bedeutung.

ErgebnisErläuterung
Critical Nonconformity (NC)
(kritische Abweichung)
  • Lebensmittelsicherheit ist direkt gefährdet, ohne erkennbare Aktion
  • Legalität nicht gewährleistet
  • Zertifizierungsintegrität nicht gegeben
Major Nonconformity
(erhebliche Abweichung)
  • Die Feststellung betrifft die Fähigkeit des Managementsystems, die beabsichtigten Ergebnisse zu erzielen
Minor Nonconformity
(geringfügige Abweichung)
  • Die Feststellung betrifft nicht die Fähigkeit des Managementsystems, die beabsichtigten Ergebnisse zu erzielen

Welche Auswirkung hat dieses Bewertungsschema für Ihr FSSC Zertifikat?

Je nachdem wie Ihre Bewertung ausgefallen ist, haben die unterschiedlichen Abweichungen Auswirkungen auf Ihre FSSC 22000 Zertifizierung. Zu beachten ist hier die zwangsweise Eskalation der Abweichungen. Ist eine Minor NC im nächsten Audit nicht abgestellt, wird sie automatisch zu einer Major NC. Diese muss innerhalb von 14 Tagen beseitigt werden. Wenn nicht, wird sie zu einer Critical NC und das Zertifikat wird suspendiert.

Minor NC

Anforderungen erfüllt ► Zertifikat wird erteilt bzw. bleibt bestehen

  • Untersuchung der Ursachen
  • Maßnahmenplan innerhalb 3 Monate an Auditor
  • Überprüfung der Maßnahmen im nächsten Audit
  • Wenn nicht beseitigt, Major NC

Major NC

Anforderungen nicht erfüllt ► Zertifikat wird nach Umsetzung der Maßnahmen erteilt bzw. bleibt bestehen

  • Untersuchung der Ursachen
  • Maßnahmenplan innerhalb von 14 Tagen
  • Umsetzung von Maßnahmen innerhalb von 14 Tagen (Schließen der Abweichung)
  • Überprüfung der objektiven Nachweise
  • Follow-up Audit (Dokumente oder vor Ort)
  • Wenn nicht beseitigt, Critical NC

Critical NC

Anforderungen nicht erfüllt ► Sofortige Suspendierung des Zertifikats (max. 6 Monate)

  • Untersuchung der Ursachen
  • Maßnahmenplan innerhalb von 14 Tagen
  • Follow-up innerhalb von 6 Monaten
  • Entzug des Zertifikats, wenn kein Nachweis der wirksamen Beseitigung erfolgt

Word Icon

Unser Tipp

Vorlage: Nutzen Sie die Excel Vorlage Checkliste FSSC 22000 und IFS Food - inkl. Forderungsvergleich und überprüfen Sie die Erfüllung der Anforderungen in Ihrem Betrieb.

Gelten die FSSC 22000 Anforderungen auch für ausgelagerte Prozesse?

Die Regeln sehen vor, dass ausgelagerte Prozesse grundsätzlich im Rahmen des Zertifiziertungsaudits ebenfalls zu bewerten sind. Es findet kein Audit im Betrieb des ausgelagerten Prozesses statt. Aber der Prozess muss vom auditierten Standort aus eindeutig gesteuert und seine Fähigkeit der Einhaltung aller Anforderungen nachgewiesen werden. Dafür soll festgelegt werden, welcher der Standorte die primäre und sekundäre Fertigungsstätte für definierte Prozessschritte ist. Das Audit umfasst eindeutig alle relevanten Anforderungen, sowohl an den primären als auch an den sekundären Standorten, und ermöglicht es, während des Audits die Befunde als ortsspezifisch zu identifizieren. Das Zertifikat muss die Produktgruppen aller betroffenen Standorte angeben, muss aber eindeutig identifizieren, welcher der primäre Standort ist. Einzelheiten der Off-Site-Produktionsstandorte werden in den Prüfbericht aufgenommen.

Auch eine Multi-Site-Zertifizierung ist möglich

Hat ein Unternehmen mehrere Standorte, ist in anderen Standards oft die Möglichkeit einer Multi-Site-Zertifizierung gegeben. Das heißt, dass nicht alle Standorte jedes Jahr auditiert werden. Die Zertifizierung von Multi-Site-Organisationen (wie in ISO / TS 22003 und ISO / IEC 17021 beschrieben) gilt jedoch nicht für folgende Kategorien der Lebensmittelkette:

  • CI - IV (Lebensmittel)
  • DI und DII (Futter)
  • I und K (Lebensmittelverpackung sowie (Bio-) Chemikalien)

Eine Multi-Site-Zertifizierung ist anwendbar für:

  • G (Lagerhaltung und Transport)
  • E (Catering)
  • FI (Einzelhandel).

Abschließend eine gute Nachricht: Im FSSC 22000 gibt es nach wie vor keine festgelegten KO-Kriterien, wie im IFS oder BRC (Fundamentals).


Kontaktperson Kati Brehmer
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Kati Brehmer
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Tel.: 07231 92 23 91 - 29
E-Mail: kbrehmer@vorest-ag.de


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