WISSEN · SYSTEME · WERKZEUGE

Was ist die IATF 16949 für das Qualitätsmanagement der Autoindustrie?

Das ""IATF"" aus der Norm IATF 16949 ist ein Akronym, das aus dem Englischen abgeleitet wird und steht für ""International Automotive Task Force"". Diese Task Force wurde gegründet, um die Qualitätsanforderungen verschiedener Hersteller aus dem Automotive Sektor miteinander zu vereinen und darüber hinaus einen international verbindlichen Qualitätsmanagementstandard für die gesamte Automobilindustrie zu kreieren. An diesen Standards können sich die Lieferanten ausrichten.

Vom Grundsatz basiert der IATF-Standard auf den Anforderungen der ISO 9000 Reihe, welche in den 70er und 80er Jahren entwickelt und 1987 verabschiedet wurden. Die ISO 9000 Reihe ist allerdings ein allgemeiner Standard für Qualitätsmanagementsysteme, die spezifischen Anforderungen der Automobilindustrie sind hier nicht berücksichtigt. Zusätzlich zu den Anforderungen des Qualitätsmanagements gibt es auf nationaler Ebene noch zahlreiche Branchen Standards von verschiedenen Verbänden. In Deutschland sind dies die Vorgaben des VDA, in den USA der AIAG, welche in verschiedenen Büchern bzw. Bänden festgehalten werden. Die Anforderungen der nationalen Verbände wurden schließlich mit den Anforderungen der ISO 9000 Reihe verschmolzen - daraus entstand die ISO TS 16949. Mit der neusten Revision wurde die ISO TS 16949 zur IATF 16949:2016.

Die aktualisierte Version der ISO 9001:2015 diente als Basis und wurde ergänzt um die Referenz-Handbücher der amerikanischen und deutschen Automobilhersteller. Die IATF 16949:2016 ist also kein eigenständiger QMS-Standard. Sie ist als Ergänzung zur ISO 9001:2015 zu sehen und zudem nur in Verbindung mit dieser Norm anwendbar. Die ISO 9001:2015 ist als eigenständige ISO-Norm veröffentlicht und dadurch nicht Bestandteil des IATF-16949-Standards.


Welche Ausbildung benötigen für Ihr Qualitätsmanagementsystem in der Automobilindustrie nach IATF 16949?


Mit unseren Schulungen zum Qualitätsmanagement nach IATF 16949:2016 machen wir Sie fit für die Einführung oder laufende Betreuung und Weiterentwicklung Ihres Qualitätsmanagementsystems in der Automobilindustrie. Mit unserer modularen Qualifizierung können Sie mit dem Lehrgang IATF 16949 in die Grundlagen der Qualitätsmanagement Norm einsteigen oder sich ebenfalls zum Internen Auditor IATF 16949 (zur Durchführung von Audits) oder zum QMB in der Automobilindustrie ausbilden. Des Weiteren haben wir zahlreiche Schulungen nach VDA 6.3 zum Prozessaudit und dem Produktaudit nach VDA 6.5 im Angebot. Zusätzlich können Sie Ihr Wissen auch zu den Automotive Core Tools und Methoden auffrischen. Hier finden Sie eine Übersicht zu unserem Gesamtangebot. Viele unserer Schulungen sind bereits als E-Learning Kurs verfügbar und können zudem direkt im Unternehmen oder daheim durchgeführt werden.


Mitgeltende Referenzhandbücher

Wie bereits erläutert dient die ISO 9001:2015 als Basis für das Qualitätsmanagementsystem in der Automobilbranche nach IATF 16949:2016. Zusätzlich bestehen aber Anforderungen der Automobilindustrie, die in den Referenzhandbüchern der Hersteller beschrieben worden sind. Bei dem amerikanischen Automobilverband existieren Referenzhandbücher, die sich zum Beispiel auf das Projektmanagement, auf die Produktionsprozessfreigabe oder auch die Messsystemanalyse konzentrieren. Beim deutschen Verband, dem VDA, gibt es ebenfalls eine ganze Reihe von VDA Handbüchern (Standards), die von den inhaltlichen Anforderungen oder auch von der Referenz her in die IATF 16949 übernommen worden sind. So haben die Lieferanten die Möglichkeit diese Anforderungen in ihrem Managementsystem zu integrieren.

Oftmals in der Praxis herangezogene Referenzhandbücher der VDA

Band 1 - Leitfaden zur Dokumentation und Archivierung von Qualitätsanforderungen

Aufbau und Aufrechterhaltung einer Nachweisführung

Band 2 - Sicherung der Qualität von Lieferungen

Lieferantenauswahl, Bemusterung, sowie Qualitätsleistung in der Serie

Band 3 - Zuverlässigkeitssicherung bei Automobilherstellern und Lieferanten

Verfahren zur Sicherung der Zuverlässigkeit von Lieferanten und Beispiel dazu

Band 4 - Sicherung der Qualität in der Prozesslandschaft

Risikoanalysen, Methoden und Vorgehensmodelle zur Qualitätssicherung

Oftmals in der Praxis herangezogene Referenzhandbücher der AIAG

PPAP - Production Part Approval Process

Produktionsteil-Abnahmeverfahren zur Sicherstellung von Teilen in Serienproduktion

APQP - Advanced Product Quality Planning

Produkt Qualitätsvorausplanung und Kontrollpläne

MSA - Measurement System Analysis

Messsystemanalyse zur Untersuchung der Fähigkeit von Messmitteln

SPC - Statistical Process Control

Statistische Prozessregelung zur Optimierung von Prozessen mit statistischen Methoden

FMEA - Failure Mode and Effects Analysis

Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse zum präventiven Identifizieren von möglichen Fehlern

Unsere Serviceangebote im Bereich Qualitätsmanagement in der Automobilbranche

Ziele der IATF 16949

Ziel der IATF 16949:2016 ist nicht allein die Erfüllung von Mindestanforderungen, die formal nachzuweisen sind, sondern auch die Entwicklung eines Systems das die ständige Verbesserung vorsieht. Dabei liegt der Fokus auf der Fehlervermeidung und der Verringerung der Streuung & der Verschwendung in der gesamten Lieferkette. Hier werden mit zutreffenden kundenspezifischen Anforderungen grundlegende Anforderungen für ein QM-System kommuniziert nach denen verbindlich gearbeitet wird. Das dient einerseits der Vermeidung mehrfacher Zertifizierungsaudits, bietet aber vor allen Dingen einen Ansatz für ein QM-System, für die gesamte Lieferkette für die Serien- / Ersatzteil-Produktion der Automobilindustrie.

Anwendungsbereich der IATF 16949

Die IATF 16949 definiert die Anforderungen an QM-Systeme in der Entwicklung und Produktion in der Automobilindustrie. Falls vorhanden werden auch die Montage, der Einbau und die Dienstleistungen an Produkten mit einbezogen. Darin eingeschlossen sind Produkte mit integrierter Software. Der QMS-Standard kann auf alle Standorte angewandt werden, an welchen Serienteile, Ersatzteile oder Originalzubehörteile gemäß den Kundenspezifikationen hergestellt werden. Die Anwendung sollte die komplette Lieferkette berücksichtigen.

Sich am Produktionsstandort befindende oder entfernte Unterstützungsfunktionen, wie Entwicklungszentren, Unternehmenszentralen oder Vertriebszentren, müssen in den Geltungsbereich des Qualitätsmanagementsystems einbezogen werden. Der einzige zulässige Ausschluss bezieht sich auf die Produktentwicklung - diese dürfen Sie gemäß Abschnitt 8.3 IATF 16949 ausschließen. Eine schriftliche Begründung in Form einer dokumentierten Information muss in diesem Fall verfügbar sein. Zusätzlich zu den Anforderungen der Norm sind kundenspezifische Anforderungen zu bewerten und in den Anwendungsbereich des Qualitätsmanagementsystems der Organisation einzubeziehen.


Welche Vorlagen, Musterdokumente und Checklisten benötigen Sie zur Einführung oder Betreuung Ihres Qualitätsmanagementsystems nach IATF 16949?


Wir bieten Ihnen zahlreiche Checklisten und Mustervorlagen zur IATF 16949:2016 und zum Qualitätsmanagement in der Automobilindustrie an. Alle Vorlagen erhalten Sie in einem offenen Format, sodass Sie diese auf Ihre Bedürfnisse anpassen und direkt im Unternehmen verwenden können. Mehr Informationen finden Sie in unserer Rubrik der Musterdokumente IATF 16949.


Struktur der IATF 16949

Da die IATF 16949:2016 ein ergänzendes Dokument zur ISO 9001 (Qualitätsmanagement) ist, richtet sich diese an deren Struktur aus. Die ISO 9001 basiert, wie alle modernen Managementsystemnormen, auf der High Level Structure (HLS). Die HLS stellt eine fixe Struktur dar und ist immer in 10 gleiche Abschnitte gegliedert. Diese Abschnitte müssen in jeder modernen Managementsystemnorm vorhanden sein. In den Unterabschnitten kann dann je nach Anwendungsgebiet differenziert werden.

Neben einem Vorwort ist zunächst ein Abschnitt 0 enthalten - eine kurze Einleitung des Standards. Hier sind allgemeine Dinge wie die Grundsätze des Qualitätsmanagements oder der PDCA-Zyklus definiert. Die IATF 16949 hat in diesem Bereich keine ergänzenden Aspekte und bezieht sich auf die Punkte aus der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001. Abschnitt 1 regelt den Anwendungsbereich der Norm. Mit Abschnitt 2 wird auf normative Verweisungen hingewiesen. Im Falle der IATF 16949 ist ein Verweis auf den Anhang A und B, sowie auf die ISO 9001 enthalten. Im 3. Abschnitt - Begriffe erläutert die Norm zudem typische Begriffe aus dem Bereich des Qualitätsmanagements in der Automobilbranche.

Normative Forderungen der IATF 16949 - Automotive

Mit dem 4. Abschnitt - Kontext der Organisation beginnen die eigentlichen normativen Forderungen der IATF 16949. Neben den aus der ISO 9001 übernommenen Forderungen, zur Einbeziehung des Unternehmensumfeldes ergänzt die IATF 16949 den Abschnitt um Punkte wie kundenspezifische Anforderungen, die Produkt- und Prozesskonformität und die Produktsicherheit.

Abschnitt 5 - Führung behandelt die Aufgaben der Führung im QM-System. Die IATF 16949 erweitert einige Aspekte der ISO 9001 und spezifiziert diese. Der nächste Abschnitt behandelt die Planung. Hier sind zusätzliche Punkte zur Risikoanalyse, Vorbeugungsmaßnahmen und Notfallplänen enthalten. Einige Punkte der QM-Norm werden um zusätzliche Punkte ergänzt. Im 7. Abschnitt - Unterstützung dreht sich alles um Unterstützungsprozesse. Abschnitt 8 - Betrieb regelt die Abläufe im Unternehmen. Diese beiden Abschnitte wurden in der IATF 16949 sehr umfangreich um zahlreiche zusätzliche Punkte erweitert. Mit der ""Bewertung der Leistung"" behandelt Abschnitt 9 Möglichkeiten und Methoden, um das QM-System zu überwachen, analysieren und zu bewerten (z.B. mit Audits oder dem Management-Review). Der abschließende 10. Abschnitt der IATF 16949:2016 beschäftigt sich schließlich mit der  Verbesserung und fokussiert sich auf die kontinuierliche Verbesserung, Problemlösung und Fehlersicherheit.

Inhouse Schulungen und Beratung zum Thema Qualitätsmanagement in der Automobilindustrie

Sie wünschen sich ein auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtetes Seminar zur IATF 16949:2016 in Ihrem Unternehmen? Mit unseren Inhouse Schulungen kommen wir zu Ihnen und schulen Sie zudem zu Ihrem Wunschthema. Gerne stehen wir Ihnen zudem auch bei der Einführung und Zertifizierung Ihres Managementsystems beratend zur Seite - sprechen Sie uns einfach an.

Der PDCA-Zyklus in der IATF 16949

Der PDCA Zyklus der IATF 16949:2016 dient als Beschreibung für das grundsätzliche Vorgehen im Qualitätsmanagement und ist auf die kontinuierliche Verbesserung der Organisation ausgerichtet. Grundlage des PDCA sind die 4 namensgebenden Phasen Plan (Planen), Do (Durchführen), Check (Überprüfen) und Act (Handeln). Der Zyklus beruht auf einem Verfahren, welcher von Edward Deming in den 40er Jahren entwickelt wurde. Heute ist er auch weltweit unter dem Begriff ""Demingscher Regelkreis"" bekannt als Standard und wird in vielen Managementsystemen eingesetzt.

Plan und Do Phase

Das Verfahren ist vergleichbar mit einer strategischen Unternehmensführung, in der Sie zuerst überprüfen, an welcher Stelle Sie als Unternehmer genau stehen und wie Ihr Umfeld aussieht - die Planungsphase. Welchen Risiken sind Sie ausgesetzt, welche Chancen haben Sie und wie müssen Sie sich als Unternehmer darauf einstellen? Welche Richtung ist für Ihr Unternehmen empfehlenswert? Weiterhin müssen Sie planen z.B. welche Stärken und Schwächen existieren oder welche Ressourcen zur Verfügung stehen. Der nächste Schritt ist dann das eigentliche Durchführen. Aufgrund Ihrer Planung versuchen Sie in der Praxis oder auch im Unternehmen unter den praktischen Bedingungen des Marktes erfolgreich Ihre Tätigkeiten umzusetzen, Prozesse in Gang zu setzen, Fertigungsprozesse industriell nach Freigabe abzuwickeln. Diese werden natürlich nicht automatisch laufen - sie unterliegen einer natürlichen Streuung bedingt durch Risiken, die nicht komplett überschaubar sind oder sich zudem die Umstände entsprechend entwickeln.

Check und Act Phase

Aus diesem Grund ist im PDCA-Zyklus in der Check-Phase ein Überwachungsprozess vorgesehen. In dieser Phase überprüfen Sie, ob Ihre durchgeführten Maßnahmen wirksam waren und ob Sie das erreicht haben, was vorgesehen war. Im industriellen Umfeld oder auch im Dienstleistungssektor erfolgt das oft durch Projektmanagementpläne, Messsysteme oder Prozessregelungen, die Abweichungen rechtzeitig erkennen und auf eine Streuung im Prozess reagieren. Bei der Reaktion befinden Sie sich auch schon im nächsten Schritt, dem Act. Eine Messung erfordert immer ein entsprechendes Weiterführen eines Prozesses in die richtige Richtung. Entweder läuft der Prozess ohne weiteren Eingriff in Richtung des gewünschten Solls oder Sie müssen durch einen Eingriff oder durch eine Reaktion den Prozess wieder in die gewünschten Bahnen lenken. Nur durch eine passende Reaktion können Sie letzten Endes Verschwendung oder unnötige Nacharbeit vermeiden. Das Ziel sollte natürlich immer keine Fehler sein, damit Sie stets auch vertragsgerecht liefern können.

Dieser Regelkreis ist auch als Grundlage in fast allen ISO-Managementsystemen, wie dem Qualitätsmanagementsystem implementiert. Demzufolge ist der PDCA-Zyklus auch in der IATF 16949 enthalten, da die ISO 9001 die Basis für die IATF 16949 darstellt. Die Abschnitte der IATF 16949:2016 sind auf Logik des demingschen Regelkreises nach Plan, Do, Check und Act aufgebaut, sodass alle Aktivitäten im Qualitätsmanagement immer auf das ursprüngliche Ziel der IATF ausgerichtet sind, der Vermeidung von Verschwendung, der ständigen Verbesserung und der Verminderung der Streuung von Prozessen in der gesamten Lieferantenkette.


SEMINARVORSCHAU
Qualitätsmanagement Automobil IATF 16949 – aktuell noch ISO/TS 16949 – VDA und Core Tools