NSF-Standards in der Lebensmittelindustrie

Für einen langlebigen und funktionsfähigen Maschinenpark sind Schmierstoffe aus der Lebensmittelindustrie nicht wegzudenken. Jedoch gilt es, eine bewusste Wahl zu treffen, denn je nach Bereich innerhalb des Betriebs bestehen unterschiedliche Anforderungen. Neben der Lebensmittelsicherheit spielen Arbeitsschutz und eine mögliche Erhöhung der Anlageneffizienz eine entscheidende Rolle bei der Wahl der passenden Schmierstoffe. Als lebensmitteltauglich gelten durch die NSF-Standards (National Sanitation Foundation) zugelassene H1 Schmierstoffe. Doch die NSF mit Schmierstoffen gleichzusetzen, wird ihr nicht gerecht – es steckt mehr dahinter.

Dieser Fachartikel der VOREST AG basiert auf langjähriger Praxiserfahrung aus zahlreichen Schulungen, Audits und Einführungsprojekten im Qualitätsmanagement in der Lebensmittelindustrie.

Inhalte Ihres Fachartikels

Einordnung in das QM-System

Ein entscheidender Teil eines vollständigen HACCP-Systems (HACCP-Konzepts) ist die (vorbeugende) Wartung aller kritischen Ausrüstungen. In diesem Zusammenhang ist zu betrachten, welche Schmierstoffe für welche Anlagen verwendet werden, da je nach Konzeption der Anlage und Position im Herstellprozess nicht immer vollständig ausgeschlossen werden kann, dass die eingesetzten Schmierstoffe mit dem hergestellten Lebensmittel in Kontakt kommen. Auch vor dem Hintergrund, dass die Festlegung von Höchstgehalten für MOAH und deren Integration in die Europäische Kontaminantenverordnung VO (EU) 2023/915 geplant ist und neben Mineralölkohlenwasserstoffen weitere kritische Inhaltsstoffe in Schmierstoffen enthalten sein können, sollten in Bereichen, in denen eine Kontamination der Lebensmittel möglich ist, ausschließlich zugelassene Schmierstoffe eingesetzt werden. Doch welche Schmierstoffe sind für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet und woran sind diese zu erkennen? Die Zulassung von Schmierstoffen, insbesondere wenn sie in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, unterliegt bestimmten Anforderungen und Prüfprozessen, damit sie als lebensmittelverträglich gelten. Man spricht hier oft von „H1“-Schmierstoffen.

Zulassungsverfahren für lebensmitteltaugliche Schmierstoffe

Das Zulassungsverfahren für lebensmitteltaugliche Schmierstoffe (z. B. H1-Schmierstoff, H2 usw.) legt fest, unter welchen regulatorischen sowie sicherheitstechnischen Voraussetzungen Schmierstoffe in Bereichen eingesetzt werden dürfen, in denen ein Kontakt mit Lebensmitteln nicht ausgeschlossen werden kann.

  1. Einreichung bei NSF (National Sanitation Foundation) International oder InS Services
    - Der Hersteller reicht eine vollständige Rezeptur und Sicherheitsdatenblätter (SDB) bei einer Prüforganisation ein.
    - Bekannte Stellen: NSF International (USA) oder InS Services Ltd (UK)
    - Deren Freigabe gilt international als anerkannter Standard.
  2. Bewertung der Inhaltsstoffe
    - Nur stofflich zugelassene Komponenten dürfen enthalten sein.
    - Die Inhaltsstoffe müssen z. B. in der US FDA-Liste (21 CFR) gelistet oder explizit freigegeben sein.
  3. Klassifizierung
    - H1: Schmierstoffe für den Einsatz mit gelegentlichem Kontakt zu Lebensmitteln
    - H2: Kein Kontakt zu Lebensmitteln erlaubt
    - H3: Trennmittel mit direktem Lebensmittelkontakt (z. B. Grillplatten-Öle)
  4. Eintragung in eine Positivliste
    - Nach erfolgreicher Bewertung wird das Produkt auf der Webseite des Prüfunternehmens gelistet (z. B. www.nsfwhitebook.org)
  5. Kennzeichnung & Dokumentation
    - Das Produkt darf mit dem NSF H1/H2-Logo gekennzeichnet werden.
    - Ggf. wird eine Konformitätserklärung erstellt

Klassifizierung im Detail

In der Lebensmittelindustrie ist der Einsatz von Schmierstoffen streng reguliert, besonders wenn ein Kontakt mit Lebensmitteln möglich ist. Die NSF-Klassifizierung (ehemals USDA) hilft dabei, die Verwendungssicherheit zu beurteilen. Die wichtigsten Kategorien sind, wie oben erläutert, NSF H1 und NSF H2.

NSF H1 – Lebensmittelverträgliche Schmierstoffe

Wenn Kontakt mit Lebensmitteln auftreten kann (z. B. bei Förderanlagen, Mischern, Verpackungsmaschinen), muss der eingesetzte Schmierstoff den H1 Standard erfüllen. Dieser setzt voraus, dass die entsprechenden Produkte nur aus zugelassenen, lebensmittelverträglichen Komponenten bestehen. H1 zugelassene Produkte müssen regelmäßig dokumentiert und überwacht werden.

  • Beispiele: Kettenöle, Fette, Hydrauliköle in offenen Anlagen.
  • Typischer Einsatzort: In Produktionsbereichen mit potenziellem Lebensmittelkontakt.

NSF H2 – Nicht lebensmitteltaugliche Schmierstoffe

Im Gegensatz zu H1 dürfen H2 Produkte nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Allerdings ist ihr Einsatz im Betrieb oft nicht gänzlich zu vermeiden, da nicht alle Anlagen ausschließlich mit H1 Produkten langfristig effizient gewartet werden können. Entscheidend ist die Verwendung in Bereichen, in denen absolut kein Lebensmittelkontakt auftreten kann (z. B. Wartung in Technikräumen, Förderbänder außerhalb des Lebensmittelbereichs). Sie können teilweise toxische oder nicht lebensmittelkompatible Bestandteile enthalten.

  • Typischer Einsatzort: In geschlossenen Anlagenteilen oder außerhalb des hygienischen Bereichs.

Praxis-Tipps zu den NSF-Standards für Anwender

Die konsequente Umsetzung der NSF-Anforderungen trägt maßgeblich zur Lebensmittelsicherheit und Auditkonformität bei. Klare Regelungen, geeignete Produkte und strukturierte Abläufe helfen, Risiken zu minimieren und Verwechslungen zuverlässig zu vermeiden.

  • Prüfe, an welchen Stellen der Einsatz von Schmierstoffen reduziert oder sogar gänzlich vermieden werden kann (z.B. schmierfreie Lager, ölfreie Kompressoren). Gerade bei Neuanschaffungen kann sich ein Umstieg lohnen!
  • Verwende nur H1-zugelassene Produkte, wenn ein Kontakt mit dem Lebensmittel möglich ist.
  • Führe eine Liste der eingesetzten Schmierstoffe mit Zulassungsstatus.
  • Dokumentiere Sicherheitsdatenblätter & Freigaben im Qualitätssystem.
  • Prüfe zudem, ob das Produkt für die Anwendung und die betroffenen Maschinen/Anlagen geeignet ist, um vorzeitigen Versschleiß oder Schäden durch die Verwendung ungeeigneter Produkte zu vermeiden.
  • Definiere klar im HACCP-Konzept, wo H1 verwendet werden muss.
  • Lagere H2 gesichert vor Verwechslung und dabei klar gekennzeichnet.
  • Schule alle Anwendenden intensiv zum Umgang mit und der Trennung von Schmierstoffen. Der Einkauf und die Ausgabe dürfen nur durch entsprechend qualifizierte Personen erfolgen.
  • Betriebsrundgänge sollten auch die Kontrolle der Werkstattwagen und der Lagerung bzw. Trennung und Kennzeichnung von Schmierstoffen umfassen!

Video: HACCP in 12 Stufen gemäß Codex Alimentarius umsetzen

Der Codex Alimentarius ist ein international anerkanntes Regelwerk, das Standards zur Lebensmittelsicherheit und zur Qualität von Lebensmitteln definiert. Gleichzeitig schafft er eine gemeinsame Grundlage für einen fairen und transparenten weltweiten Handel mit Lebensmitteln. In diesem Video wird erläutert, wie Unternehmen das HACCP-Konzept anhand der zwölf Stufen des Codex Alimentarius praxisnah umsetzen können.

Inhalte des Videos:

  • Praxisumsetzung des Codex Alimentarius
  • Vorbereitende Grundsätze des Codex Alimentarius
  • Prinzipien des Codex Alimentarius
  • Codex Alimentarius als Grundlage für HACCP

Unterschiede NSF H1 und NSF H2

Der Unterschied zwischen NSF H1 und NSF H2 liegt vor allem in der zulässigen Verwendung in lebensmittelnahen Bereichen sowie in den regulatorischen Anforderungen an die Inhaltsstoffe.

NSF H1-registrierte Produkte sind für den Einsatz in Bereichen vorgesehen, in denen ein gelegentlicher, technisch unvermeidbarer Kontakt mit Lebensmitteln möglich ist. Sie dürfen daher im unmittelbaren Produktionsbereich verwendet werden. Voraussetzung ist, dass ausschließlich lebensmitteltaugliche Inhaltsstoffe enthalten sind, die den entsprechenden lebensmittelrechtlichen Vorgaben entsprechen.

NSF H2-registrierte Produkte hingegen sind nicht für einen Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen. Ihr Einsatz ist zwar im Produktionsumfeld möglich, jedoch ausschließlich in Bereichen, in denen kein Lebensmittelkontakt stattfinden kann. Für diese Kategorie besteht keine lebensmittelrechtliche Zulassungspflicht der Inhaltsstoffe.

Weitere relevante Standards der NSF

Die NSF hat über 90 freiwillige Standards für öffentliche Gesundheit und Nachhaltigkeit entwickelt. Für den Lebensmittelbereich gibt es mehrere relevante NSF-Standards (siehe Tabelle 2). ANSI steht dabei für American National Standards Institute. NSF/ANSI-Standard bedeutet, dass die NSF-Standards von ANSI akkreditiert wurden,
wodurch sie als offizielle, nationale Standards in den USA anerkannt sind.

NSF-Standards Lebensmittelindustrie

Einen näheren Blick wert: NSF A1

NSF A1 ist eine Klassifizierung für Reinigungsmittel, nicht für Schmierstoffe, im Rahmen der NSF-Listen für chemische Produkte, die in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt werden dürfen.

Was bedeutet NSF A1?

A1-Reinigungsmittel sind Allzweckreiniger, die in Lebensmittelverarbeitungsbereichen eingesetzt werden dürfen – vorausgesetzt, alle Lebensmittel oder Lebensmittelkontaktflächen werden nach der Anwendung gründlich abgespült,sodass kein Reinigungsmittelrückstand auf den Oberflächen verbleibt.

  • Typische Anwendung:
    - Reinigung von Geräten, Oberflächen, Fußböden oder Arbeitsflächen im Produktionsbereich.
    - Keine Desinfektionsmittel, sondern Reiniger gegen Fett, Schmutz, Eiweiße etc..
  • Bedingungen:
    - Kein direkter Kontakt mit Lebensmitteln erlaubt!
    - Nach der Reinigung ist ein vollständiges Abspülen mit Trinkwasser erforderlich.
    - Die Produkte müssen gemäß den Vorgaben des Herstellers angewendet werden.
  • Beispielprodukte:
    - Industrielle Küchenreiniger,
    - CIP-Reiniger für Anlagen (sofern abgespült wird),
    - Oberflächenreiniger im Produktionsbereich

Fazit

NSF A1-Produkte sind sichere, zugelassene Allzweckreiniger für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion – unter der Voraussetzung, dass danach eine gründliche Spülung erfolgt, um Rückstände zu vermeiden. Vorsicht ist bei der Herstellung von Bio-Produkten geboten. Hier ist gesondert zu prüfen, ob die Reinigungsmittel geeignet sind (z.B. QAV-Freiheit). Hilfestellung bei der Suche nach geeigneten Produkten kann alternativ die FiBL-Betriebsmittelliste für die Ökoverarbeitung in Deutschland bieten.

Dokumentation

Wie bereits eingangs erwähnt, gilt es sowohl beim Einsatz von Schmierstoffen, als auch bei vielen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, neben der Lebensmittelsicherheit, auch die Arbeitssicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten. Die Erstellung eines Gefahrstoffkatasters als zentrales Dokumentationsinstrument für den Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb ist in diesem Zusammenhang unerlässlich. Es dient der Transparenz, dem Arbeitsschutz
sowie der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (z. B. gemäß § 6 GefStoffV und TRGS 400 ff.). Die zentralen Inhalte eines Gefahrstoffkatasters umfassen folgende Mindestangaben:

  • Bezeichnung des Gefahrstoffs: Handelsname & ggf. Stoffbezeichnung (z. B. Ethanol)
  • Einstufung & Kennzeichnung: Gefahrensymbole, H- und P-Sätze sowie GHS-Kennzeichnung (z. B. GHS02 für entzündlich)
  • Verwendung/Zweck im Betrieb: Wofür und wo wird der Stoff eingesetzt?
  • Mengenangaben: Typischer Lagerbestand (z. B. in Litern oder kg)
  • Arbeitsbereiche/Verwendungsorte: z. B. „Labor 1“ oder „Produktion Linie A“
  • Sicherheitsdatenblatt (SDB): Verlinkt oder als Anlage bereitgestellt
  • Schutzmaßnahmen und Lagerhinweise: } Persönliche Schutzausrüstung (PSA), Belüftung, etc.
  • Gefährdungsbeurteilung / Maßnahmenplan: Ergebnis der Bewertung nach GefStoffV
  • Entsorgungshinweise

Zudem können optional je nach Betrieb folgende Inhalte dazukommen: CAS-Nummer, Lagerklasse (nach TRGS 510), Notfallmaßnahmen / Erste Hilfe. Es ist abzuwägen, ob die für die Lebensmittelsicherheit relevanten Informationen (z.B. lebensmitteltauglich ja/nein) mit dem Gefahrstoffkataster kombiniert oder separate Listen geführt werden.

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FAQ – Wichtige Fragen zu den NSF-Standards

Was bedeutet „NSF“ im Kontext der Lebensmittelindustrie?

„NSF“ steht für NSF International, eine unabhängige Organisation, die Standards zur Produktsicherheit, Hygiene und Lebensmittelsicherheit entwickelt und Produkte sowie Materialien hinsichtlich dieser Standards prüft und zertifiziert. Die NSF-Zertifizierung schafft Vertrauen bei Herstellern, Auditoren und Behörden weltweit.

Welche NSF-Kategorien werden für Schmierstoffe in der Lebensmittelindustrie verwendet?

Für Schmierstoffe gibt es mehrere NSF-Kategorien, die festlegen, wie und wo sie eingesetzt werden dürfen: H1, H2, H3 und weitere wie HT-1/HT-2. H1 und H2 sind dabei die am häufigsten angewendeten Kategorien in der Lebensmittelproduktion.

Was bedeutet die NSF-Kategorie H1?

NSF H1 bezeichnet Schmierstoffe, die für den Einsatz in lebensmittelverarbeitenden Bereichen zugelassen sind, selbst wenn dabei gelegentlicher, unbeabsichtigter Kontakt mit Lebensmitteln auftreten kann. Diese Produkte erfüllen strenge Anforderungen in Bezug auf Inhaltsstoffe, Unbedenklichkeit und Sicherheit.

Was bedeutet die NSF-Kategorie H2?

NSF H2 bezieht sich auf Schmierstoffe, die nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind. Sie dürfen nur dort eingesetzt werden, wo kein direkter oder zufälliger Kontakt mit Lebensmitteln möglich ist, etwa in geschlossenen Systemen oder Maschinenbereichen außerhalb des Lebensmittelkontaktbereichs.

Dürfen H1-zertifizierte Schmierstoffe direkt in Lebensmittel gelangen?

Nein, auch bei H1-Schmierstoffen ist nur ein zufälliger und unvermeidbarer Kontakt mit Lebensmitteln erlaubt, nicht der direkte Einsatz in Lebensmitteln. Die Produkte sind so formuliert, dass unerwünschte Verunreinigungen gesundheitlich unbedenklich bleiben.

Wie unterscheiden sich H1 und H2 praktisch im Betrieb?

H1-Produkte können z. B. an Maschinenteilen eingesetzt werden, die Lebensmittelkontakt haben könnten, wie Dichtungen oder Gleitstellen an Förderbändern. H2-Produkte kommen dagegen nur an Stellen zum Einsatz, wo ein Kontakt ausschließlich ausgeschlossen ist, etwa innerhalb geschlossener mechanischer Komponenten.

Was passiert, wenn ein H2-Produkt Lebensmittel kontaminiert?

Wenn ein H2-Produkt doch mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, gilt das als Kontamination – betroffene Lebensmittel müssen verworfen werden, da diese Kategorie nicht für Lebensmittelsicherheit bei Kontakt ausgelegt ist.

Gibt es weitere NSF-Kategorien neben H1 und H2?

Ja. Beispielsweise ist H3 für Schmierstoffe gedacht, die direkt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen dürfen und physiologisch unbedenklich sind, etwa bei Trennmitteln auf Lebensmitteloberflächen. Weitere Codes wie HT-1/HT-2 gelten für Wärmeträgerflüssigkeiten mit bzw. ohne Lebensmittelkontakt.

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