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IFS 6.1 Änderungen des IFS Food 6.1 Standard im Überblick

Seit 2018 gilt die Version 6.1 des Standards für Lebensmittelsicherheit IFS Food. Erfahren Sie, welche Änderungen der IFS 6.1 mit sich bringt und was dies für Ihr nächstes Zertifizierungs- bzw. Überwachungsaudit bedeutet. Der IFS ist ein GFSI (Global Food Safety Initiative) anerkannter Standard und genießt internationale Anerkennung. Ursprünglich als "Zwischenversion" zum IFS Food Version 7 gedacht, hat die aktuelle Version nun schon eine längere Gültigkeit. In der erwarteten Version 7 werden zwar Forderungen gekürzt, um diesen Standard benutzerfreundlicher zu gestalten, die Änderungen des IFS Food 6.1 bleiben aber voraussichtlich bestehen und verlieren nicht an Relevanz.

Was sind die Änderungen des IFS 6.1 zum Bereich Food Fraud?

In Bezug auf die Anforderungen des Standards an Betriebe, die ein (zertifiziertes) Managementsystem nach IFS Food aufgebaut haben, hat es nur zwei Änderungen gegeben. Zum einen ist ein Kapitel 4.21 Food Fraud ergänzend eingefügt worden. Dies besagt, dass für alle Rohmaterialien, Inhaltsstoffe, Verpackungen und ausgelagerten Prozesse eine dokumentierte Bewertung der Gefährdung des Lebensmittelbetrugs durchzuführen ist. Die im Rahmen der Schwachstellenbewertung berücksichtigten Kriterien müssen Sie anschließend definieren. Zudem müssen Sie einen dokumentierten Plan zur Risikominderung von Lebensmittelbetrug unter Bezugnahme auf die Schwachstellenbewertung entwickeln und zur Beherrschung eines festgestellten Risikos umsetzen. Schließlich müssen Sie die Steuerungs- und Überwachungsmethoden bestimmen und ebenfalls umsetzten. Im Falle eines höher werdenden Risikos müssen Sie die Bewertung des Betrugsrisikos von Lebensmitteln überprüfen. Andernfalls müssen Sie alle Schwachstellenbewertungen mindestens einmal jährlich überprüfen. Die Steuerungs- und Überwachungsanforderungen des Plans zur Verringerung des Lebensmittelbetrugs müssen Sie ebenfalls kontrollieren und gegebenenfalls ändern.

Es reicht auf jeden Fall nicht mehr aus, nur einige ausgewählte Rohstoffe zu betrachten, wie es in der Vergangenheit oft gemacht wurde. Zum Beispiel hat ein fleischverarbeitendes Unternehmen, nicht zuletzt wegen des Pferdefleischskandals, bisher regelmäßig die verwendeten Fleischsorten auf Authentizität hin bewertet und analysieren lassen. Das reicht jetzt nicht mehr aus. Sie müssen jetzt ALLE verwendeten Inhaltsstoffe der Produkte in einer Schwachstellenanalyse bewerten, also zum Beispiel auch die Gewürze, Kräuter, Stabilisatoren und so weiter.

Wie hat sich der Bereich Allergene geändert?

Zum anderen ist ein Absatz in Bezug auf Allergenmanagement 4.20.2 geändert worden. Hier wurde in der vorigen Version gefordert, dass bei der „Herstellung von Produkten, die kennzeichnungspflichtige Allergene enthalten“, Kreuzkontaminationen weitestgehend minimiert werden sollen. Die Fassung IFS Food 6.1 fordert in Bezug auf das Kontaminationsrisiko mit Allergenen nun explizit eine Gefahrenanalyse. Diese sollte zwar auch bisher im Rahmen des HACCP Systems durchgeführt werden, hier ist sie allerdings noch einmal ausdrücklich gefordert. Basierend auf der HACCP Gefahrenanalyse sollen dann Maßnahmen zum Schutz vor Kontaminationen festgelegt und umgesetzt werden. Den vorgesehenen Ablauf zur Minimierung von Kreuzkontaminationen in Bezug auf Allergene sehen Sie in der Grafik.

Allergene - Minimierung Kreuzkontamination

Für diese einzelnen Schritte müssen Sie im Zertifizierungsaudit Nachweise erbringen, das heißt, es muss Vorgabedokumente (z. B. Gefahrenanalyse, Prozessbeschreibungen, Verfahrens- oder Arbeitsanweisungen) und Aufzeichnungen geben.


Ausbildung IFS / BRC Basiswissen

Unser Tipp

Präsenzschulungen: In der Ausbildung IFS / BRC Basiswissen erlangen Sie fundierte Kenntnisse zu den IFS Anforderungen und können diese in Ihrem Lebensmittel-Sicherheitssystem umsetzen. Mit der Schulung zum internen Auditor IFS können Sie die entsprechenden Anforderungen in Ihrem Unternehmen auch überprüfen.


Der IFS Food Standard 6.1 und das IFS Integrity Program

Die Regeln für das Integrity Program des IFS 6.1 haben sich grundlegend verändert. Es geht nach wie vor um das Programm zur Qualitätssicherung des IFS, zur Überwachung des gesamten Zertifizierungssystems. Viele zertifizierte Betriebe und auch die Zertifizierungsstellen sind direkt betroffen. Das Programm gliedert sich in drei Bereiche.

  • Beschwerdemanagement
  • Risikobasierter Ansatz und Überwachung der IFS Qualitätssicherung
  • Sanktionen

IFS Integrity Program - Beschwerdemanagement

Grundsätzlich haben „interessierte Parteien“, insbesondere natürlich der Handel, das Recht, Beschwerde gegen das Verfahren einzureichen. Dafür wurde eigens eine E-Mail-Adresse eingerichtet und ein Formular auf die Homepage des IFS zur Verfügung gestellt. Es könnte zum Beispiel sein, dass gehäuft Reklamationen bezüglich der Qualität eines Produktes einer Handelskette bestehen. Der Hersteller des Produktes ist aber IFS zertifiziert. Da passt die Realität ggf. nicht mit dem zusammen, wie sich der Betrieb im Audit dargestellt hat. Beschwerden werden durch ein Gremium des IFS analysiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Das Gremium prüft, ob durch das zertifizierte Unternehmen, die Zertifizierungsstelle oder die Auditoren Mängel vorliegen.

Aufgrund dieser Prüfung kann es zu Integrity Audits vor Ort (in dem zertifizierten Betrieb) kommen. Es könnte auch ein Audit in der Zertifizierungsstelle durchgeführt werden oder ein sogenanntes Witness-Audit, bei dem die Leistung des Auditors begutachtet wird. Wird ein Integrity Audit vor Ort durchgeführt, ist dieses immer nur kurzfristig (30 Minuten bis zu 48 Stunden vor dem Audit) angekündigt.

IFS Integrity Program - Überwachung der IFS Qualitätssicherung

Um sicherzustellen, dass das gesamte Zertifizierungsverfahren nach IFS 6.1 regelgerecht abläuft, führt der IFS mit eigenen Auditoren regelmäßig Integrity Audits durch. Das können Audits in der Zertifizierungsstelle sein, bei denen das gesamte Verfahren inkl. der Leistung der Auditoren überprüft wird. Es könnte auch darauf basierend zu Witness-Audits kommen, bei denen einzelne Auditoren überprüft werden. Auch sogenannte Integrity on-site Checks werden nach Auswertungen der Auditberichte und sonstiger risikobasierter Ansätze durchgeführt. Das Unternehmen, das sich durch die Zertifizierung den Regeln des IFS unterwirft, muss die Integrity Audits akzeptieren. In der Regel ist das auch im entsprechenden Vertrag noch einmal festgelegt. Achten Sie darauf, dass Sie Abweichungen aus IFS-Audits termingerecht abarbeiten. Es könnte sein, dass einige Wochen nach dem IFS-Audit ein kurzfristig angekündigtes (30 Minuten vorher) Integrity Audit stattfindet. Dabei wird dann natürlich auch überprüft, ob alle Korrekturmaßnahmen nach Maßnahmenplan bereits abgearbeitet sind.

IFS Integrity Program - Sanktionen

Für den Fall, dass in einem Integrity Audit Mängel in der Durchführung der Audits festgestellt wurden, werden die Informationen anonym an ein Sanktionskomitee weitergeleitet, das sich aus Juristen, Mitgliedern der Wirtschaft, Handelsunternehmen und Zertifizierungsstellen zusammensetzt. Dieses entscheidet darüber, ob ein Verstoß vorliegt und wenn ja, wie umfangreich dieser ist. Entsprechend wird die Art und Höhe der Sanktion festgelegt. Es kommt immer wieder zu dreimonatigen Suspensionen von Zertifizierungsstellen, die gravierende Fehler gegenüber dem Regelwerk machen. Für den Fall, dass sich im Integrity Audit das Unternehmen wesentlich schlechter präsentiert als im Zertifizierungsaudit, leitet im Zweifelsfall die Zertifizierungsstelle Maßnahmen ein. Das könnte bis hin zum Entzug des Zertifikats führen.

Welche Änderungen betreffen die IFS Zertifizierung?

Neben einigen redaktionellen Anpassungen gibt es auch einige Änderungen, die für die IFS Food 6.1 Zertifizierung bzw. Durchführung der IFS Audits wichtig sind.

Wie oft darf ein Auditor auditieren?

In diesem Punkt gibt es eine Klarstellung. Es bleibt dabei, dass ein Auditor maximal dreimal in Folge eine Betriebsstätte auditieren darf. Während aber in der vorigen Version eine „Betriebsstätte eines Unternehmens“ angesprochen wurde, wird nun nur noch von einer „Production Site“ gesprochen. Das heißt, auch bei Übernahme oder Umfirmierung eines Unternehmens, gilt für die Produktionsstätte der Dreijahresrhytmus.

Pflichtfelder im Auditbericht

Der IFS 6.1 gibt den Auditoren vor, zu welchen Anforderungen es zwingend Erläuterungen im Auditbericht geben muss. Nun ist Food Fraud ein solches Pflichtfeld. Hier muss der Auditor angeben, welche betrugsanfälligen Rohstoffe entsprechend der Schwachstellenanalyse ermittelt wurden und aus welchem Grund diese anfällig sind. Jeder Ihrer Kunden, der im Auditportal der IFS von Ihnen freigeschaltet wird, kann diese Bewertung einsehen.

Bindung und Qualifikation des Auditors

Bisher gab es die Regel, dass ein Auditor nur für eine Zertifizierungsstelle in Bezug auf IFS tätig sein darf. Jetzt gibt es Änderungen zu diesem Passus. Sie benötigen einen gültigen Vertrag mit einer Zertifizierungsstelle, können aber von mehreren Zertifizierern eingesetzt werden. Die Auditoren müssen nach wie vor die Vorgaben gemäß der aktuellen ISO 19011 erfüllen. Eine Entwurfsfassung der ISO 19011 ist bereits veröffentlicht.

QR-Codes

In Zukunft erhält jedes Zertifikat beim Hochladen durch die Zertifizierungsstelle einen QR-Code. Dieser ermöglicht es, die Gültigkeit des Zertifikats und die Stammdaten des Zertifikats einzusehen.

Das IFS Auditportal

Auch hierzu hat es kleinere Änderungen gegeben. Zum einen wird die Anwendung der Funktion „My Audits“ erläutert. Zum anderen ergänzt der IFS 6.1, dass neben Zertifizierungsstellen, dem zertifizierten Unternehmen und den Handelskunden nun auch Behörden Zugriff auf die Berichte und Zertifikate erhalten können.

Unangekündigte Audits als neuer Abschnitt im Lebensmittelstandard IFS

Als neues Kapitel des IFS Food 6.1 ist der „Part 5 Auditprotokoll für unangekündigte Audits“ eingefügt worden. Diese Regeln haben sich aber im Wesentlichen nicht verändert:

  • Ein Unternehmen muss sich rechtzeitig für das Programm der unangemeldeten Audits selbst anmelden.
  • Auf dem Zertifikat steht, dass das Audit „Unangekündigt“ stattgefunden hat.
  • Der Zeitraum, in dem das Audit stattfinden kann, verlängert sich von 10 Wochen auf 18 Wochen (16 Wochen vor und zwei Wochen nach dem Stichtag des ersten Audits).
  • Es können maximal 10 Arbeitstage innerhalb dieses Zeitraums festgelegt werden, in denen das Audit nicht stattfinden kann (Sperrtage). Zusätzlich dazu können Zeiten festgelegt werden, in denen keine Produktion stattfindet.
  • Der Auditor nimmt im Vorfeld keinen Kontakt zum Unternehmen auf, schickt auch keinen Auditplan.
  • Der Auditor muss nach einem kurzen Einführungsgespräch und Kontrolle der Dokumente schnellstmöglich das Audit in der Produktion starten.
  • Können während des Audits nicht alle Prozesse auditiert werden, muss es ein angekündigtes Erweiterungsaudit geben.
  • Wenn der Auditor vom Unternehmen nicht die Möglichkeit bekommt, das Audit durchzuführen, wird dem Standort innerhalb von 2 Werktagen das Zertifikat entzogen.

Alle übrigen Regeln der Durchführung von Audits bleiben wie bisher.


E-Learning Kurs Icon

Unser Tipp
Vorlage: Mit der Vorlage "Forderungen & -vergleich IFS BRC inkl. Audit IFS und BRC Checkliste"können Sie die Umsetzung der IFS Standards in Ihrem Unternehmen selbst überprüfen.


Änderungen des Glossars des IFS Food Version 6.1

Natürlich gibt es auch entsprechende Änderungen im Glossar des IFS 6.1. Folgende Themen sind nun näher erläutert:

  • Allergenvorgaben der Verordnung (EU) No 1169/2011
  • Auditzeitfenster (bei unangekündigten Audits)
  • Sperrzeiten (bei unangekündigten Audits)
  • Food Defense
  • Food Fraud (FF), FF Vermeidungsplan, FF Verletzlichkeits-Analyse
  • Erstes Witnessaudit
  • Phase ohne Produktion

Bei der Umsetzung der neuen Version 6.1 des IFS Food Standards sollten Sie sich auch diese neuen Erläuterungen ansehen und in Ihre Betrachtungen einbeziehen.


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Kati Brehmer
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Tel.: 07231 92 23 91 - 29
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