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ISO 50001 Revision und wichtige Änderungen ISO 50001 im Überblick

Am 21.08.2018 ist die Neufassung der ISO 50001, die ISO 50001:2018, veröffentlicht worden. Diese bringt Änderungen / Neuerungen an der Grundstruktur, der strategischen Einbindung, der Rolle der obersten Leitung und an zahlreichen weiteren Details mit sich. Seit der Veröffentlichung der ersten Ausgabe im Jahr 2011, die wiederum in Europa die europäische Norm EN 16001 ersetzt hat, ist die ISO 50001 zum weltweiten Standard für Energiemanagementsysteme (EnMS) geworden, die Unternehmen (und andere Organisationen) dabei unterstützen sollen, ihre energiebezogene Leistung (ihren Energieeinsatz, ihre Energieeffizienz und ihren Energieverbrauch) zu verbessern. Damit sollen einerseits der Klimawandel und andere Umweltauswirkungen des Energieverbrauchs bekämpft werden, andererseits können die Unternehmen oft mit der Anwendung der Norm auch Geld sparen.

Wie alle Normen, fand auch bei der ISO 50001 fünf Jahre nach Inkrafttreten eine Überprüfung auf Änderungsbedarf statt – das Ergebnis liegt jetzt vor. In diesem Beitrag möchten wir uns mit den wesentlichen Änderungen der ISO 50001 Revision 2018 befassen.

Aktuelle Entwicklungen und Änderungsbedarf machten die Revision der ISO 50001 notwendig

Alle ISO-Normen für Managementsysteme durchlaufen alle fünf Jahre nach Inkrafttreten eine Überprüfung auf Revisionsbedarf. Damit soll einerseits sichergestellt werden, dass sie aktuell und relevant bleiben, zum anderen sollen die Erfahrungen und die sich möglicherweise ändernden Erwartungen der Nutzer in die Norm einfließen. Im Falle der ISO 50001 wurden die Erfahrungen mit fünf Jahren ISO 50001 im Juni 2016 auf einer internationalen Konferenz in Schweden ausgewertet. Das Ergebnis: Grundsätzlich hat die Norm sich bewährt, sie wurde in viele internationale (etwa von der UN-Entwicklungsorganisation UNIDO) und nationale Programme zur Verbesserung der Energieeffizienz aufgenommen (in Deutschland etwa als Gegenleistung produzierender Gewerbeunternehmen für die Begrenzung der EEG-Umlage oder für den Spitzenausgleich nach Strom- und Energiesteuergesetz). Einige Punkte waren aber schwer verständlich und so wurde vor allem beschlossen, durch sprachliche und strukturelle Präzisierungen sowie genauere Formulierung einzelner Anforderungen die Norm verständlicher zu machen.

Daneben gab es Änderungsbedarf, da seit 2012 für die Autoren von neuen oder geänderten Normen zu Managementsystemeneine gemeinsame Grundstruktur, die sog. High Level Structure (HLS) gilt, mit der insbesondere der Aufwand bei der Einführung und der Pflege mehrerer Managementsysteme verringert und Widersprüchezwischen den Normen vermieden werden sollen. Damit musste auch die ISO 50001 die HLS und die zugehörigen Textbausteine und Begriffsdefinitionen übernehmen – was aber eine umfassende Neustrukturierung bedeutet (wie sie schon 2015 bei den Normen ISO 9001, ISO 14001 und im Jahr 2018 bei der ISO 45001 gegenüber der OHSAS 18001 erforderlich war).


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Die High Level Structure (HLS) der ISO 50001:2018

Durch die Umstellung der Energiemanagement Nom ISO 50001:2018 besteht diese jetzt ebenfalls aus zehn Abschnitten:

  • Anwendungsbereich
  • Normative Verweisungen
  • Begriffe
  • Kontext der Organisation
  • Führung
  • Planung
  • Unterstützung
  • Betrieb
  • Bewertung der Leistung
  • Verbesserung

Eine detaillierte Gegenüberstellung der alten und der neuen Normfassung finden Sie in der Ausbildung zu diesem Beitrag. Die Begriffe sind in der neuen Normfassung (ähnlich wie in der ISO 14001) nach thematischem Kontext geordnet. Unterschieden werden:

  • Organisationsbezogene Begriffe
  • Managementsystembezogene Begriffe
  • Anforderungsbezogene Begriffe
  • Leistungsbezogene Begriffe
  • Energiebezogene Begriffe

Manche Begriffe aus der alten Norm werden im Zusammenhang mit der HLS analog zu anderen neuen Managementsystemnormen geändert. „Dokumente“ und „Aufzeichnungen“ heißen jetzt „dokumentierte Information“. Andere Änderungen hängen mit den inhaltlichen Klarstellungen bzw. Änderungen zusammen: So soll die Energieleistungskennzahl (EnPI) künftig „Maß oder Einheit der energiebezogenen Leistung, wie von der Organisation definiert“ sein, die Quantifizierung der EnPI zu einem oder über einen spezifischen Zeitabschnitt ist (neu) der „Wert der Energieleistungskennzahl“ (der damit der EnPI im Sinne der Normfassung 2011 entspricht). Neu eingeführt wird ein „statischer Faktor“: ein identifizierter Faktor, der die energiebezogene Leistung beeinflusst und sich nicht routinemäßig verändert (im Gegensatz zu der schon bisher in der ISO 50001 verwendeten, jetzt aber ebenfalls definierten, „relevanten Variablen“). In diesem Zusammenhang ebenfalls neu aufgenommen wurde die „Normalisierung“: die Modifizierung von Energiedaten, um Änderungen zu berücksichtigen, um den Vergleich der energiebezogenen Leistung unter gleichwertigen Bedingungen zu ermöglichen.

Strategische Einbindung des Energiemanagementsystems gem. ISO 50001:2018

Der HLS geschuldet sind die neuen Anforderungen in den Unterabschnitten 4.1 und 4.2, für das EnMS relevante externe und interne Themen sowie die interessierten Parteien, die für die energiebezogene Leistung und das EnMS relevant sind, und deren Anforderungen zu bestimmen. Nach Unterabschnitt 6.1 sind diese bei der Bestimmung von Risiken und Chancen zu berücksichtigen, um die man sich kümmern muss, um sicherzustellen, dass das EnMS seine beabsichtigten Ergebnisse einschließlich einer Verbesserung der energiebezogenen Leistung erreicht und unerwünschte Auswirkungen von Risiken verhindert oder verringert werden. Entsprechende Maßnahmen sind festzulegen und in das Energiemanagementsystem bzw. in energierelevante Prozesse zu integrieren. Ziel dieser neuen Anforderungen ist es, sicherzustellen, dass das Energiemanagementsystem nicht an den relevanten strategischen Herausforderungen vorbei betrieben wird.

Die neue Rolle der oberste Leitung in der Revision ISO 50001

Die Aufgaben der obersten Leitung werden zunehmen. Vor allem dadurch, dass es in der neuen Fassung keinen Beauftragten des Managements mehr gibt, an den viele Unternehmen das Energiemanagementsystem weitgehend delegiert haben. Zu den Aufgaben, die sie selbst übernehmen muss, gehören demzufolge:

  • Vermittlung der Bedeutung des Energiemanagementsystems und der Erfüllung seiner Anforderungen
  • Anleitung und Unterstützung von Personen, die zur Wirksamkeit des EnMS und zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung beitragen
  • Verdeutlichung der Rolle von Führungskräften in ihrem Verantwortungsbereich

Für die operative Betreuung des EnMS ist in Zukunft das EnM-Team (das aber wie bisher laut Begriffsdefinition auch aus nur einer Person bestehen kann, die dann häufig „Energiemanagementbeauftragter“ heißt) verantwortlich, das u.a. der obersten Leistung in regelmäßigen Abständen über die Leistung des ISO 50001 Energiemanagement Systems und die Verbesserung der energiebezogenen Leistung berichten muss.

Gegenüberstellung der Struktur von ISO 50001:2011 und ISO 50001:2018

Anforderungen der ISO 50001:2018 an die energetische Bewertung

Die Anforderungen an die energetische Bewertung werden klarer formuliert: Statt (des im Alltagsgebrauch anders verwendeten Wortes) „Energiequellen“ soll künftig von „Energiearten“ gesprochen werden; klargestellt wird, dass für jeden wesentlichen Energieeinsatzbereich (neues Kürzel: SEU, von engl. significant energyuse) die

  • relevanten Variablen;
  • die aktuelle energiebezogene Leistung;
  • die Person(en), die den SEU beeinflussen

bestimmt werden müssen.

Energieleistungskennzahlen, energetische Ausgangsbasis, Energieziele und Energiedatensammlung der ISO 50001:2018

In der neuen Normfassung (Revision ISO 50001:2018) wird sinnvollerweise die Reihenfolge der Darstellung von Energieleistungskennzahlen (EnPI – die vor der Ausgangsbasis festgelegt werden sollten) und energetischer Ausgangsbasis (EnB, neue Abkürzung) geändert. Es wird klargestellt, dass die EnPI dazu dienen, die Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen. Wenn relevante Variablen sich wesentlich auf die energiebezogene Leistung auswirken, muss eine Normalisierung von EnPI und EnB erfolgen. Die aktuelle Unterscheidung zwischen strategischen und operativen Energiezielen wird aufgegeben. Stattdessen wird zwischen Zielen („zu erreichenden Ergebnissen“) und Energiezielen („quantifizierbares Ziel der Verbesserung der energiebezogenen Leistung“) unterschieden; die Organisation muss Ziele und Energieziele festlegen. Damit wird die Anforderung, dass es Ziele zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung geben muss, unmissverständlich in die Norm aufgenommen. Unterabschnitt 6.6 fordert die Planung der energiebezogenen Datensammlung: es muss festgelegt werden, wie und mit welcher Häufigkeit die Datensammlung bzw. -messung stattfindet. Zu den Daten gehören mindestens:

  • Relevante Variablen bezüglich SEUs
  • Energieverbrauch der SEUs und der Organisation
  • Betriebsmerkmale bezüglich SEus
  • Statistische Faktoren, falls zutreffend
  • In Aktionsplänen festgelegte Daten

Weitere Neuerungen und Änderungen durch die Revision ISO 50001:2018

Die externe Kommunikation wird zur Pflicht, allerdings kann die Organisation das Ausmaß weitgehend selbst bestimmen. Änderungen müssen gemanagt und ausgeliederte SEUs oder mit diesen zusammenhängende Prozesse gesteuert werden, wenn sie die energiebezogene Leistung beeinträchtigen können.

Zertifizierungsfristen der EnMS Norm ISO 50001:2018

Das International Accreditation Forum (IAF) hat im Oktober 2017 beschlossen, dass bestehende Zertifizierungen nach ISO 50001:2011 nach Veröffentlichung der Neufassung maximal noch drei Jahre lang gültig sind. Damit verlieren sie also am 21.08.2021 ihre Gültigkeit; wer eine durchgehende Zertifizierung mit Zertifikat braucht, muss spätestens bis 20.08.21 die Umstellung durchgeführt haben.


Kontaktperson Kati Brehmer
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