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Was ist Arbeitsschutzmanagement nach der Norm DIN EN ISO 45001?

Beim Arbeitsschutzmanagement geht es darum, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und damit einhergehend Fehlzeiten zu vermeiden. Neben zahlreichen Gesetzen, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz thematisieren, hat auch die Managementnorm DIN EN ISO 45001 das Ziel, den Arbeitsschutz nachhaltig in die Unternehmensstrukturen zu integrieren. Die Norm beschreibt die gute Praxis beim Aufbau eines Arbeitsschutzmanagementsystems (laut ISO 45001 Managementsystem für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz - SGA Managementsystem). Sie kann als Leitfaden dienen und als Grundlage für eine Konformitätsbewertung genutzt werden. Die Norm regelt nicht den betrieblichen Arbeitsschutz. Das machen Gesetze, Verordnungen und das Regelwerk der Unfallversicherungsträger. Der ISO 45001 (ehemals BS OHSAS 18001) kommt eine ergänzende Rolle zu - sie kann Organisationen dabei unterstützen, rechtliche Verpflichtungen zu erfüllen.

Für jedes Unternehmen ist dabei von zentraler Bedeutung, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Dass es im Bereich Arbeitssicherheit Handlungsbedarf gibt, zeigen die immer noch hohen Zahlen an arbeitsbedingten Unfällen und Erkrankungen. Weltweit gibt es beispielsweise ca. 2,78 Mio. arbeitsbedingte Todesfälle pro Jahr. Die Kosten für arbeitsbedingte Erkrankungen, Verletzungen und Todesfälle betragen 2.990 Milliarden US-Dollar bzw. 3,94 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (Quelle: International Labour Organization (ILO) 2017). Mithilfe eines Arbeitsschutzmanagementsystems sollen durch eine systematische und geplante Herangehensweise Arbeitsschutzmaßnahmen in die Prozesse des Unternehmens integriert werden, um die Unfallzahlen zu verringern. Die systematische und planvolle Herangehensweise besteht im Wesentlichen aus Festlegung von einer Aufbau- und Ablauforganisation.


Welche Ausbildung benötigen Sie zur Einführung oder Betreuung Ihres Arbeitsschutzmanagementsystems nach DIN ISO 45001


Mit unseren Schulungen zum Arbeitsschutzmanagement nach DIN ISO 45001 machen wir Sie fit für die Einführung oder laufende Betreuung und Weiterentwicklung Ihres Arbeitsschutzmanagementsystems. Mit unserer modularen Qualifizierung können Sie mit dem Lehrgang Basiswissen ISO 45001 in die Grundlagen der Arbeitsschutzmanagement Norm einsteigen oder sich zum Internen Auditor ISO 45001, Managementbeauftragten für Arbeitsschutz oder externen Auditor ausbilden. Hier finden Sie eine Übersicht zu unserem Gesamtangebot. Viele unserer Schulungen sind bereits als E-Learning Kurs verfügbar und können zudem direkt im Unternehmen oder daheim durchgeführt werden.


Was ist die Definition für ein ISO 45001 Arbeitsschutzmanagementsystem?

Wie wir oben bereits gesehen haben, kann man ein Arbeitsschutzmanagementsystem als ein Instrument zur systematischen Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen sowie deren Einbindung in die Unternehmensprozesse ansehen. Dieses soll arbeitsbedingte Unfälle vermeiden und die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten sicherstellen. Die systematische und planvolle Herangehensweise besteht dabei im Wesentlichen aus Festlegung von einer Aufbau- und Ablauforganisation. Unter der Aufbauorganisation versteht man, dass für arbeitsschutzrelevante Tätigkeiten (Prozesse) die Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten und Befugnisse festgelegt werden. Hier müssen Sie also überlegen, wer für die Einleitung und Umsetzung arbeitsschutzrelevanter Prozesse zuständig ist. Als Beispiel sei hier die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung zu nennen. Mit der Ablauforganisation legen Sie anschließend fest, wie die Ausführung von arbeitsschutzrelevanten Tätigkeiten erfolgt. Bei dem Beispiel der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie beispielsweise bestimmen, ob die Gefährdungsbeurteilung mittels Betriebsbegehungen, Mitarbeiterbefragung oder sicherheitstechnische Überprüfung von Arbeitsmitteln erfolgt. Die Ablauforganisation unterliegt dabei dem sogenannten PDCA-Zyklus.

Unsere Serviceangebote im Bereich Arbeitsschutzmanagement

Der PDCA-Zyklus der Norm DIN EN ISO 45001

Der PDCA-Zyklus ist ein iterativer Kreislauf und eines der Basiselemente aller modernen Managementsysteme. Daher ist er auch für ein Arbeitsschutzmanagementsystem nach der DIN EN ISO 45001 von Bedeutung. Der PDCA Zyklus besteht aus den einzelnen Phasen Plan, Do, Check und Act. In der ersten Phase, der Planungsphase müssen Sie arbeitsschutzrelevante Tätigkeiten planen. Anschließend führen Sie in der Durchführungsphase die geplanten Tätigkeiten entsprechend der Planung durch. ""Check"" bedeutet ""Überwachung"" und steht für die Überprüfung der Wirksamkeit der geplanten Tätigkeiten. Hier müssen Sie überprüfen, ob Sie die mit den Arbeitsschutzmaßnahmen ursprünglich verbundenen Arbeitsschutzziele auch tatsächlich erreichen. Im Anschluss folgt die Phase ""Act"", das Handeln und Verbessern. Hier wird im Falle einer Nichterreichung eines Zieles nach zu implementierenden Lösungen gesucht. Werden alle Ziele erreicht, werden die Maßnahmen standardisiert. Der Kreislauf beginnt danach von Neuem mit der Planungsphase.

Welche Vorteile ergeben sich durch ein Arbeitsschutzmanagement System nach der ISO 45001?

Durch die Einführung und Anwendung eines SGA Managementsystems ergeben sich natürlich zahlreiche Vorteile und Chancen für Ihr Unternehmen. Wenn Sie die gute Praxis, wie sie die ISO 45001 vorgibt, umsetzen, schützen Sie sich im Zweifelsfall vor dem Vorwurf des Organisationsverschuldens. Durch die systematische Umsetzung geltender Rechtsvorschriften erlangen Sie dadurch eine höhere Rechtssicherheit. Zudem sorgen Sie dafür, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz in die Geschäftsprozesse integriert wird. Somit läuft er nicht mehr neben der eigentlichen Arbeit, sondern ist stattdessen fest mit dieser verbunden.

Gleichzeitig werden sowohl Führungskräfte als auch die Beschäftigten somit in die Pflicht genommen, sich aktiv am Arbeitsschutz zu beteiligen. Die Einbindung der Mitarbeiter fördert zudem die Motivation und Leistungsbereitschaft. Ein weiterer Vorteil liegt zudem in der Einsparung von Kosten. Durch die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten minimieren Sie nämlich die Ausfallzeiten und die damit verbundenen Kosten. Durch die Zertifizierung nach ISO 45001 erhalten Sie auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Organisationen, die keine Zertifizierung vorweisen.


Welche Vorlagen, Musterdokumente und Checklisten benötigen Sie zur Einführung oder Betreuung Ihres ISO 45001 SGA Managementsystems?


Wir bieten Ihnen zahlreiche Checklisten und Mustervorlagen zur ISO 45001 und zum Arbeitsschutz an. Alle Vorlagen erhalten Sie in einem offenen Format, sodass Sie diese auf Ihre Bedürfnisse anpassen und direkt im Unternehmen verwenden können. Mehr Informationen finden Sie in unserer Rubrik der Musterdokumente ISO 45001.


Wie kann man ein Arbeitsschutzmanagementsystem nach der ISO 45001 im Unternehmen einführen?

Die internationale Norm ISO 45001 bietet Ihnen eine Anleitung zur Einführung des SGA Managements. Die ISO 45001 als Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme dient als Darstellung der ""Guten Praxis"" im Arbeitsschutz. Sie stellt detaillierte Anforderungen an die Aufbau- und Ablauforganisation von Arbeitsschutzmanagement Systemen.

Wie ist die Norm DIN EN ISO 45001 aufgebaut und was ist die High Level Structure?

Seit der Umstellung von der BS OHSAS 18001 auf die ISO 45001:2018 richtet sich der Aufbau der Arbeitsschutznorm nun nach der High Level Structure (kurz HLS). Die High Level Structure legt für neue und überarbeitete Normen eine gemeinsame Grundstruktur, identische Textbausteine und gemeinsame Begriffe und Definitionen fest. Dies hat den Vorteil, dass ein geringerer Aufwand bei der Einführung und Pflege mehrerer Managementsysteme anfällt. Zudem werden Widersprüche zwischen Managementsystemen vermieden und interne sowie externe Audits erleichtert. Des Weiteren zeigen Mitarbeiter mehr Verständnis und Akzeptanz, wenn gleiche Dinge in den Normen auch gleich heißen. Diese Struktur der HLS und der ISO 45001 gliedert sich dabei in 10 Hauptabschnitte, welchen weitere Unterabschnitte zugeordnet werden:

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen
  3. Begriffe
  4. Kontext der Organisation
  5. Führung
  6. Planung
  7. Unterstützung
  8. Betrieb
  9. Bewertung der Leistung
  10. Verbesserung

Die Anforderungen an ein Arbeitsschutzmanagementsystem finden Sie in den zentralen Abschnitten 4 bis 10.  Die Abschnitte 6 bis 10 richten sich dabei nach dem PDCA Zyklus und können daher jeweils den Phasen Plan, Do, Check und Act zugeordnet werden. Da alle neuen beziehungsweise revidierten Managementnormen dem Aufbau der HLS folgen, ist die Abbildung von integrierten Managementsystemen nun vereinfacht. Dadurch können Sie nun Ihr Arbeitsschutzmanagementsystem nach ISO 45001 einfacher mit Ihrem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 oder dem Umweltmanagementsystem gem. ISO 14001 verbinden.

Der Weg zur ISO 45001:2018

Arbeitsschutzmanagementsysteme gibt es seit Langem. Der britische Standard BS 8800 beispielsweise erschien bereits 1996. In Deutschland erschien 1998 das bayerische Occupational Health- and Risk-Managementsystem. Die ISO entschied sich 1996 jedoch gegen die Einführung einer Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Auch Deutschland war skeptisch. 1999 wurde in einem Eckpunktepapier des Arbeitsministeriums, der Arbeitsbehörden und der Träger der Unfallversicherung zur Entwicklung von Arbeitsschutzmanagement Systemen gesagt, dass diese freiwillig sein müssen und eine Zertifizierung durch Dritte nicht erwünscht sei.

1999 veröffentlichte eine von Zertifizierungsstellen initiierte Projektgruppe die OHSAS 18001. Eine zweite Fassung der OHSAS 18001 erschien 2007 und wurde zu einem britischen Standard. Im selben Jahr entschied sich die ISO erneut gegen eine Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Aber 2011 hatten bereits 127 Länder (meist auf OHSAS basierende) Vorgaben für Arbeitsschutzmanagementsysteme eingeführt, der Bedarf war unübersehbar. 2013 beschloss die International Organization für Standardization anschließend die Entwicklung der ISO 45001 als internationale Norm für SGA Managementsysteme. Nachdem der erste Entwurf für die ISO 45001 im Jahr 2016 noch keine ausreichende Zustimmung durch die nationalen Mitglieder der ISO erhalten hat, hat ein zweiter Entwurf (in deutscher Sprache als EN DIN ISO 45001:2017-06 veröffentlicht) dieses geschafft. So konnte über den Schlussentwurf (FDIS) vom November 2017 am 12.3.2018 die fertige Norm ISO 45001:2018 veröffentlicht werden.

Inhouse Schulungen und Beratung zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Sie wünschen sich ein auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtetes Seminar zur DIN ISO 45001:2018 in Ihrem Unternehmen? Mit unseren Inhouse Schulungen kommen wir zu Ihnen und schulen Sie zu Ihrem Wunschthema. Gerne stehen wir Ihnen auch bei der Einführung und Zertifizierung Ihres Managementsystems beratend zur Seite - sprechen Sie uns einfach an.

Was ist die Gefährdungsbeurteilung und in welchem Zusammenhang steht diese mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz nach der ISO 45001?

Unter dem Begriff Gefährdungsbeurteilung versteht man die systematische Ermittlung und Bewertung aller relevanten Gefährdungen, denen Mitarbeiter und Besucher bei ihren Tätigkeiten in einem Unternehmen ausgesetzt sind. Zudem umfasst die Gefährdungsbeurteilung die Ermittlung und Umsetzung gegebenenfalls notwendiger zusätzlicher Schutzmaßnahmen sowie die Bewertung derer Wirksamkeit. Die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen ist eine zentrale Aufgabe im Arbeitsschutz und daher auch im Arbeitsschutzgesetz verankert. Die Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung sind in mehreren Verordnungen zum Arbeitsschutzgesetz konkretisiert. Auch in der ISO 45001 ist die Gefährdungsbeurteilung zu finden. Im Unterabschnitt 6.1.2 fordert die Norm nämlich die Ermittlung von Gefährdungen und Bewertung von Risiken und Chancen.

Wie erfolgt die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung?

Hier stellen wir Ihnen die wesentlichen Schritte für die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung vor. So erhalten Sie einen Überblick über die zentralen Punkte, die Sie für eine erfolgreiche Ermittlung der Gefährdungen beachten sollten.

Vorbereiten:
Der erste wichtige Schritt bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung ist die Vorbereitung. Hier legen Sie fest, wer die Gefährdungsbeurteilung durchführt. Im Anschluss daran erfassen Sie die Betriebsorganisation und definieren die Betrachtungseinheiten.

Ermitteln von Gefährdungen:
Im zweiten Schritt erfolgt die Ermittlung der für die Tätigkeit signifikanten Gefährdungen. Sie können dabei eine Liste von Gefährdungsfaktoren, wie sie die Berufsgenossenschaften zur Verfügung stellen, zur Hilfe nehmen.

Beurteilen der Gefährdungen:
An dieser Stelle bewerten Sie die ermittelten Gefährdungen auf eventuellen Handlungsbedarf, z.B. anhand normierter Schutzziele (rechtlicher Vorgaben) oder mit Bewertungshilfen (Leitmerkmalmethode, einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe etc.).

Festlegen von Maßnahmen:
Anschließend werden Schutzziele bestimmt und Maßnahmen, um die Gefahren auf ein in den Schutzzielen definiertes akzeptables Maß zu begrenzen, definiert. Hierbei sollten Sie immer das STOP-Prinzip beachten.

Durchführen der Maßnahmen:
Damit die festgelegten Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden, müssen Sie Verantwortlichkeiten und Fristen definieren sowie die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Dabei sollten Sie die Umsetzung der Maßnahmen überwachen. Hierbei helfen beispielsweise To-Do Listen oder die Einführung von Berichtspflichten.

Überprüfen der Wirksamkeit:
Das Arbeitsschutzgesetz fordert, dass Organisationen nach der Durchführungskontrolle auch die Wirksamkeit der Maßnahmen prüfen. Dieser Punkt ist nicht mit der Prüfung der Umsetzung von Maßnahmen zu verwechseln. Um die Wirksamkeit zu beurteilen, können Sie sich an folgender Leitfrage orientieren: Wurde das Schutzziel erreicht?

Dokumentation:
Nach § 6 ArbSchG müssen mindestens das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die festgelegten Maßnahmen sowie das Ergebnis ihrer Überprüfung in Unterlagen ersichtlich sein.

Fortschreiben:
Eine Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung ist immer bei Änderungen der betrieblichen Gegebenheiten (insb. Umbauten, neue Arbeitsmittel, neue Arbeitsstoffe), Erkennen neuer Gefährdungen (Änderungen des Stands der Technik, Auftreten von Unfällen, arbeitsbedingten Erkrankungen etc.) erforderlich.